Tageswanderung Angermünde – Chorin (Grumsiner Forst)

Sonnabend, 19. November 2016 (20,8 km)
UNESCO-Weltnaturerbe

Der Buchenwald Grumsin liegt im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und ist ein Teilgebiet des UNESCO-Weltnaturerbes ›Buchenwälder der Karpaten und alte Buchenwälder Deutschlands‹. Das Gebiet darf nur auf gekennzeichneten Wanderwegen betreten werden, die nicht mitten hindurch, sondern eher an den Rändern der Kernzone entlang verlaufen bzw. die angrenzenden Landschaftsteile erschließen. Von Altkünkendorf und Groß-Ziethen aus werden Führungen veranstaltet.

Website Weltnaturerbe Grumsin e.V.

Wenn man eine selbständige Wanderung plant, hat man es etwas schwerer, denn im Internet findet man zurzeit noch nicht ohne weiteres eine Darstellung der ›erlaubten‹ Wege. Es gibt aber ein ministerielles Faltblatt mit einer kleinen Kartendarstellung, das man wahrscheinlich bei regionalen Informationsstellen (in Angermünde, Altkünkendorf etc.) bekommt. Ich selbst habe es eher zufällig vor einigen Tagen von einem Zugreisenden geschenkt bekommen.

Da ich mit der Bahn anreisen und von Angermünde nach Chorin wandern wollte, habe ich mich angesichts der Kürze des Novembertages für eine Route am Südrand des Naturerbe-Gebietes entschieden: von Zuchenberg nach Groß-Ziethen, dabei größtenteils dem ›roten‹, d.h. mit einem roten Buchenblatt markierten Weg folgend. Von Groß-Ziethen kann man dann über einen sehr schönen Feldweg Richtung Chorin weiterlaufen, zum Schluss wieder durch einen ebenfalls schönen Nicht-UNESCO-Buchenmischwald.

 

Rund um das Naturerbe-Gebiet war für brandenburgische Winterverhältnisse an diesem Sonnabend viel Betrieb im Wald: Jagd, Holztransport, eine wandernde Kleinfamilie.

Und zur Jagd fährt man nun mal mit dem Auto in den Wald. Aber auch sonst fühlt es sich so an, als wäre man hier einmal zufällig an einem beliebten Ort, während man doch daran gewöhnt ist, im Novemberwald absolut niemanden zu treffen. Brandenburg ist ausgedehnt, etwa so groß wie Israel, aber viermal so dünn besiedelt. Der Outdoor-Tourismus verläuft sich in der Fläche.

Während ich also auf dem Weg nach Groß-Ziethen – kurz nach der Kleinfamilie und den beiden Holztransportern – noch einem entgegenkommenden Auto ausweiche, kommt mir der Gedanke, dass ›die Leute‹ vielleicht gewissermaßen aus Hilflosigkeit hier sind. Brandenburg ist zwar an vielen Stellen schön, auch im November. Aber um einen Ausflug zu machen, braucht man eine stärkere Ansage. Das UNESCO-Weltnaturerbe bietet dann (ähnlich wie ›Märkische Schweiz‹ oder ›Nationalpark Müritz‹) eine Art Schönheitsgarantie, die man bei der Wahl des Ausflugsziels dankbar in Anspruch nimmt, weil man sich eben nicht auskennt und auch nicht erst Landschaften zu Fuß ›explorieren‹ will. So entsteht ein bis zu einem gewissen Grade künstlicher Leuchtturm-Tourismus – künstlich, denn auch die geschützten und beworbenen Landschaften sind ja für den durchschnittlichen Betrachter ohne naturschutzfachliche Spezialkenntnisse zunächst einmal eher verträumt als spektakulär, und man müsste womöglich an einer Führung teilnehmen, um wirklich zu sehen, was es zu sehen gibt.

Der Leuchtturm-Tourismus hat jedenfalls die Kehrseite, dass man abseits der beworbenen Gebiete erst recht keinen Menschen mehr trifft. Dort erst wundert man sich wirklich über die ›Schönheit, die niemand sieht‹, während man sich womöglich als unbefangener Besucher im Nationalpark darüber wundert, dass ›dies nun schon alles ist‹.

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Auch dem Biber gefällt der Wald (Westufer des Kleinen Plunzsees; zahlreiche Fraßschäden an verschiedenen Baumarten)

 

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Rastplatz nahe der Südspitze des Großen Plunzsees

 

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Wanderzeichen

 

 

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Blick in den Buchenwald

 

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Nordwestlich von Groß-Ziethen; Blick zurück auf den Grumsiner Forst

 

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Allee nach Groß-Ziethen

 

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Dorfkirche Groß-Ziethen

 

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Feldweg bei Senftenhütte (zwischen Groß-Ziethen und Chorin); Blick zurück

 

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Spätherbstlicher Mischwald zwischen Senftenhütte und Chorin

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